Die Welt der digitalen Medien ist ein großes Dorf, durch das alle paar Jahre eine neue Sau getrieben wird. Zur Zeit ist Responsives Design in aller Munde. Vor ein paar Jahren war es die Search Engine Optimization (SEO), also die Optimierung einer Seite für Suchmaschinen wie Google. Fast immer steht eine gute Idee am Anfang dieser Trends. Ebenso häufig wird dem Kunden aber auch alter Wein in neuen Schläuchen serviert. Oder er bekommt etwas, was er gar nicht braucht.
SEO ist wichtig. Denn eine perfekte Seite nützt nichts, wenn sie von Google nicht gefunden wird. Aber wie bewertet Google eine Seite? Niemand weiß das wirklich so genau, außer vielleicht Google Mastermind Matt Cutts. Und wie präzise ist Google eigentlich?
Das Google Ranking sagt nicht immer viel aus
Machen wir als Test eine Google Suche mit »google how to get on the first page«. Wir bekommen darauf mehr als zwei Milliarden Vorschläge (2.830.000.000). Und auf der ersten Seite finden wir auf Platz 6 Getgooglefirstpageresults. Der Autor ist offensichtlich zufrieden mit seiner Arbeit: »I have been ranking for Google and YouTube first page results for nearly four straight years.« Das leuchtet sofort ein, denn das Suchergebnis ist doch der Beweis! Oder etwa nicht?
Schauen wir uns die Seite an. Die Texte bringen keine neuen Erkenntnisse. Ein Artikel pro Monat ist auch sicher keine beeindruckende Dynamik. Was ist hier also los? Der Blogger hat seine Seite für eine extrem spezifische Phrase optimiert. Das funktioniert auch, wenn die Suche dieser Phrase ähnelt. Beschreiben wir den gleichen Inhalt mit anderen Worten, ist die Seite nicht mehr zu finden.
Das Web ist voll mit solchen Seiten, die eigentlich nutzlos sind. Im wirklichen Leben brauchen wir Besucher, die unsere Homepage immer wieder aufsuchen. Noch schwieriger ist es, wenn sie in einem Online Shop etwas kaufen sollen. Das Beispiel zeigt aber auch, dass Google nicht so präzise ist, wie die zahlenden Werbekunden glauben. Einen guten Artikel dazu gibt es im Online Magazin Cuncti.
Gute SEO ist vor allem guter Inhalt
Wir wissen aber, dass Google versucht, eine Webseite wie ein menschlicher Besucher zu interpretieren. SEO ist daher nicht in erster Linie eine Optimierung für den Googlebot. Gute SEO hat den Besucher im Blick und will die Inhalte dafür optimal präsentieren.
Es gibt immer noch Seiten, die massenhaft Keywords verwenden. Das kann im Meta Tag sein, sichtbar auf der Seite oder versteckt. Wir können mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass diese Maßnahmen nutzlos sind oder sogar schaden, wenn Google keyword stuffing wittert. Was ist also gute SEO?
Die Antwort darauf ist überraschend einfach. Gute SEO ist vor allem guter Inhalt, quality content. Aber was ist guter Inhalt und wie lässt er sich messen? Welche Parameter haben wir? Ein guter Kandidat sind Backlinks, die andere zu einer Seite setzen. Je mehr Links es gibt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Inhalt gut ist. Wer verlinkt denn schon auf eine nutzlose Seite?
Dieser Artikel zeigt allerdings, dass Backlinks ihre Tücken haben. Oben habe ich auf eine Seite verlinkt, die ich eigentlich für nutzlos halte. Ich hätte den Link vermeiden können. Aber das wäre sehr unpraktisch für die Leser. Kompromisse sind manchmal unvermeidlich!
Weitere Parameter sind Anzahl und Verhalten der Besucher. Eine Seite mit 3000 Besuchern pro Tag, die nur 30 Sekunden bleiben, sieht verdächtig nach Klicktausch aus. Sind das interessierte Nutzer? Oder wollen die nur Klicks für ihre eigene Seite generieren.
Ein SEO Plugin für WordPress kann keine Wunder vollbringen
Potentielle Besucher müssen die Seite aber erstmal finden. Schauen wir uns an, welche Einstellungen das empfehlenswerte WordPress SEO von Yoast bietet.
Im Screenshot sind die Einstellungen für diesen Artikel abgebildet. Die Vorschau zeigt, was in der Google Suche zu sehen sein wird. Alle wichtigen Infos sind kurz und bündig. Enthalten sind wichtige Keywords (SEO, Online Shop, WordPress) und der Name der Seite.
Aber was ist, wenn dieser Eintrag von Google erst auf Seite 10 angezeigt wird? Die Antwort ist so einfach wie deprimierend. Die Optimierung dürfte dann keinen relevanten Effekt haben. Gibt es Patentzrepte, um auf die erste Seite bei Google zu kommen?
Es mag SEO-Profis geben, die für sehr viel Geld gute Arbeit leisten. Für die meisten kleinen Shops ist das aber keine Option. Eine Daumenregel könnte also sein: Entweder viel Geld für SEO ausgeben oder gar keins.
Gegen den Zufall ist kein Kraut gewachsen
Wer eine gutes Produkt anbietet, die Vorschläge in diesem Artikel beherzigt und ordentlich die Werbetrommel rührt, wird mittelfristig auch den Traffic für die Webseite erhöhen. Am Ende müssen wir uns aber damit abfinden, dass der Zufall eine große Rolle spielt. Da kann keine noch so gute SEO helfen.
Tubular Bells von Michael Oldfield gilt bis heute als das erfolgreichste Debutalbum aller Zeiten. Ich frage mich, wie viele der fast 20 Millionen Käufer dieses großartige Werk überhaupt bis zum Ende gehört haben. Es dürfte auch heute noch, nach 40 Jahren, alles andere als leichte Kost sein für die meisten Zuhörer. Vielleicht ist nichts so wichtig wie der Zufall. Damit muss man leben, auch wenn das nicht immer einfach ist.